so much beauty (in dirt)

„What to do, what to do… you know, what we could do?…“ – Aller Anfang ist schwer, aller Anfang ist Chaos, vor allem wenn man viel vor, vorbereitet und viel verfasst hat. Nun, da wäre zuerst die Frage, welcher Anfang angemessen ist.

Die Frage wäre wohl, worum es hier geht und warum eigentlich, grundsätzlicher gefragt, hier überhaupt etwas steht. Und wenn man das geklärt hat, wäre eine Ordnung für das Zukünftige vorzunehmen. Kategorie 1 „Tyrannische Haushaltsgeräte“, Kategorie 2 „Schizophrene Haustiere mit Schlüssel zum Waffenschrank“, Kategorie 3 „Wahnsinn und Methode, Text und Explosion“, etc., im Grunde gibt es doch für fast alles eine Kategorie. Selbst für das Kategorielose, aber kategorisieren wir nicht.

Also zum Punkt: Sicherlich gibt es den einen oder anderen, der Modest Mouse kennt und schätzt und daher den Verweis im Titel erkannt hat, ergo vielleicht ahnt, worum es geht. Ich will nicht behaupten, dass es um das Schöne, das Wahre und das Gute geht, denn was sollte das sein und wer könnte jemals Autorität in diesen Fragen reklamieren, aber vielleicht doch, ja, im Grunde geht es darum: um eine Sammlung des Schönen, desjenigen, das uns davor bewahrt, angesichts der unabweisbar vorhandenen Absurdität (Rattenschwanz!) dieser unserer Existenz (Rattenschwanz) komplett durchzudrehen und uns dabei hilft, bei Sinn und Verstand zu bleiben. Wobei „Verstand“ (Rattenschwanz, Klappe die Dritte), aber geben wir das Aufgeben auf: Es geht also um Euphorieraketen, um Gute-Laune-Katalysatoren, um Identitätsstifter, Echos und Impulse, wenn man so will.

Mein Vorhaben, einen DinA4-Ordner mit Schönem, Wahrem und Gutem vollzustopfen, habe ich aufgegeben, noch bevor ich überhaupt begonnen hatte – im Internet erscheint das leichter, wenn auch weniger greifbar. Es geht also um Perspektiven, um Horizonte, um Ansichtssachen, hier und da um Wahrheiten (Rattenschwanz), um Literatur, Musik, Film insbesondere; alles, was an und in sich die Möglichkeit besitzt, den Lesenden weiter zu bringen, weiter zu entwickeln etc. Scheitern! Schöner Scheitern! Besser scheitern! Auch darum geht’s. [An dieser Stelle sollte mehr oder weniger unscharf umrissen sein, worum es geht, alles Folgende ist Geschwafel, redundant, zu kurz, zu knapp, zu inadäquat. – wie dem auch sei, es sei trotzdem versucht]

Nun, warum diese Sammlung, Klappe, die Zweite. Vielleicht kennt jemand die seltsame Anwandlung, die man verspürt, wenn man auf die gelesene Literatur des letzten Jahres zurückblickt und einen die Ahnung streift, das irgendwie doch alles zusammenhängt. „Plattitüde“, schreit einer und er hat Recht. Aber woher das Gefühl? Ok, man ist mehr oder weniger Mensch, man hat ein mehr oder weniger funktionierendes Gehirn und ist die Schnittstelle für all das, was man erfährt, der Knotenpunkt, die glühende Neuronenverkettung. Wenn man also behauptet, alles hinge zusammen, dann meint man vielleicht nicht gerade die Atome, aus denen alles besteht, sondern lediglich, dass man selbst der Ort ist, an dem alles zusammenläuft, alles bewertet und kategorisiert wird, an dem sich unsere Identität bildet, wenn man so will. Vielleicht verhält es sich so, mal bildlich gesprochen, dass unsere Identität ein extrem komplexes Puzzle in der Zeit darstellt und wir uns selbst erst wirklich vervollständigt/entwickelt haben, wenn wir die mehr oder weniger groben Teile (zumindest die Ecken) in der Welt (durch Dinge, Ideen und Personen) in unser Puzzle eingefügt haben. Nun, ich weiß, dass dieses Bild fehlerhaft ist, denn es impliziert doch, dass wir irgendwann fertig sind (wie das bei Puzzeln so ist). Und da schallt’s von allen Ecken „Alles fließt“ und

Mit Unvollkommenheit zu ringen, ist das Los des Menschen,
ist sein Wert, und nicht sein Mangel bloß.
Was unvolkommen ist,
das soll vollkommen werden;
denn nur zum Werden,
nicht zum Sein sind wir auf Erden.“ [Friedrich Rückert]

und es stimmt ja auch, wir werden nie fertig sein,dennoch: je mehr Teile wir finden/einbauen, desto eher formt sich ein Bild, desto eher erkennt man etwas. Also geht’s hier im Grunde um potentielle Puzzleteile. Um einen geschärften Blick, um Anker, um Verweilen und Staunen, um Anhalten und Umsehen, um den locus amoenus, um dich und mich und all die anderen („Die Hölle, das sind die anderen„) und ja, die Schönheit im Dreck.

„roll down the windows and open our mouths taste where we are and play the music loud.
Stop the car,
lay on the grass,
the planets spin and we watch space pass.
Walk a direction,
see where we get.
I never knew nothin’ so there’s nothin’ to forget.
Get real drunk and ride our bikes.
There’s so much beauty it could make you cry.“ [Modest Mouse – So much beauty in dirt]

P.s.: Unter der Kategorie „Verdichtung“ werde ich eigenes Material sammeln. Wenn man es unbedingt in den Zusammenhang stellen möchte, kann man diese „Arbeiten“ vielleicht als Zeugnisse meiner Auseinandersetzung mit dem Schönen, Wahren und Guten bezeichnen, oder, weniger geschwollen, als das, was eben an- und aus mir herausfällt, als Produkte meiner halbwegs frei-empfundenen Zeit, als das Bisschen, was vielleicht übrig bleibt.

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Eine Antwort zu so much beauty (in dirt)

  1. anniefee schreibt:

    „eine Sammlung des Schönen, .. angesichts der unabweisbar vorhandenen Absurdität dieser unserer Existenz …durchzudrehen und uns dabei hilft, bei Sinn und Verstand zu bleiben“
    >> das klingt klug und vielversprechend. Ich bin gespannt und werde mich mal durch deinen Bloglesen. Will sagen: sehr gute Anfangsintention !

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