Texte in Konkurrenz bzw.: Zur qualitativen Ordnung heterogener Texte

Wie bereits in einem allgemeinen Artikel über die Ordnung und Hervorhebung von Textpassagen erwähnt, stehen die hier zitierten Texte in keinerlei Konkurrenz. Die Heterogenität des Textkorpus soll gerade seine Qualität und Vielfalt garantieren – jedwede Perspektive ist nützlich und sei’s, dass sie uns nur einen offensichtlichen Irrtum vor Augen führt oder wie der unvergleichliche Fernando Pessoa schrieb:

Es ist eine Lebensregel, dass wir von allen Menschen lernen können und sollten. Es gibt ernsthafte Dinge des Lebens, die wir von Scharlatanen und Gaunern lernen können, es gibt philosophische Einsichten, die uns Narren verschaffen, es gibt Lektionen in Standhaftigkeit und Gerechtigkeit, die uns der Zufall lehrt und die Früchte des Zufalls sind. Alles findet sich in allem.“ (Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares. Frankfurt am Main: Fischer, 3./2008. S. 341)

Eine qualitative Staffelung bzw. jedweder wertende Vergleich der Art „Text A von Kant ist besser als Text B von Voltaire“ ist so unerwünscht (und unbeabsichtigt) wie widersinnig.

Nichtsdestotrotz existieren freilich Texte, die uns mehr als andere Texte prägten; Texte, die unseren Horizont ganz besonders erweiterten oder uns überhaupt eine bestimmte Idee erst zu Bewusstsein kommen ließen; Texte, die uns aus nicht immer klar zu definierenden Gründen viel bedeuten, in denen wir unsere Gedanken aufs Verblüffendste wiedererkennen; es sind die Texte, die man – in Erinnerung an Fahrenheit 451 – am liebsten auswendig lernte, um sie vor Missbrauch zu schützen und für die man wünscht, sie (und das Andenken des Autors) blieben der Menschheit noch lange erhalten, würden anderen ebenso viele schöne Erfahrungen schenken und zu jeder Zeit bezeugen, wozu der Mensch in seinen vollkommenen Stunden fähig ist. So, Pathos Ende.

Texte dieser Art wären beispielsweise Kants „Beantwortung der Frage ‚Was ist Aufklärung?'“ oder Mills „On Liberty“ – womit hier direkt von abertausend weiteren, eigentlich obligatorisch noch zu nennenden Beispielen abgesehen werden soll.  Sollte es daher in Zukunft (bspw. beim folgenden Text von Gustave Le Bon) zu besonderer Hervorhebung einzelner Texte kommen, so sei dies im Sinne obiger Ausführungen zu verstehen.

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