Krieg ist Frieden

Bevor ich in den kommenden Tagen Auszüge aus Orwells „1984“ präsentieren möchte, habe ich hier zunächst ein paar Videos aufgestöbert, in denen Passagen aus 1984 zu martialischen Bildern vorgetragen werden – der dokumentarische Stil erschien mir dann doch so gewagt wie gelungen, mal vom Hintergrundchor abgesehen, der die ohnehin bedeutungsschwangere Komposition letztendlich ein wenig überfrachtet, aber sei’s drum, es erspart mir zudem eine Menge an Tipperei. Ohne das Inhaltliche, das für sich selbst spricht, näher diskutieren zu wollen, vielleicht soviel an Hintergrundinformationen für diejenigen, die noch nie auch nur irgendetwas basales von 1984 gelesen oder gesehen haben:

Winston Smith lebt als untergeordneter Beamter in dem totalitären Staat Ozeanien, der von der PARTEI unter Leitung des allmächtigen und allgütigen, alles erfindenden und alles voraussagenden Großen Bruders beherrscht wird: konsequente Überwachung, Bespitzelung, Freiheitsberaubung, Folter, öffentliche Hinrichtungen, Vaporisierung, Gedanken- und Sprachkontrolle stehen an der Tagesordnung und Geschichtsrevisionismus, ununterbrochene Propaganda, ein immer währender Krieg und weitreichende Armut bedingen das Leben des unfreien Einzelnen, dem jegliche Liebesbeziehung, jegliches Recht auf individuelle Lebensführung und etwaigen Protest bei Todesstrafe untersagt sind (wobei erschwerend hinzukommt, dass es im Grunde keine spezifisch ausformulierten Gesetze mehr gibt und der Einzelne auf Grund des perfiden Konzepts des „Gedankenverbrechens“ jederzeit und ohne jegliche Anhörung aus der Mitte der anderen vor sich hin vegetierenden Geschöpfe geholt werden kann, um im Zimmer 101 seinen schrecklichsten Albträumen zu begegnen). Winston Smith, der mit einem von Zweifeln und Zuneigung zu einer Parteigenossin entbrannten Herzen geschlagen ist, findet sich bald in der Rolle des Revolutionärs wieder, der gegen das faschistische System aufbegehrt; ohne zuviel vorwegnehmen zu wollen, lässt sich zu den folgenden Videos sagen, dass es sich dabei um Auszüge aus einem Buch, „dem Buch„, handelt, das Winston Smith von einer anderen Person zugespielt wird. In diesem Buch befasst sich der Revolutionär und Staatsfeind Ozeaniens, Emmanuel Goldstein, mit dem Staatswesen, den Funktionen der Massenmedien, der Dialektik des Zwiedenk, den psychologisch-historischen Hintergründen von Machtübernahmen, den ökonomischen Bedingungen für Volksunterdrückung in Zeiten des Industriealters, dem Machtdiskurs als solchem (Imperialismus) und dem Parteiprogramm der PARTEI etc. – Insbesondere in Hinblick auf die Entstehungszeit des Romans (1946-1948 geschrieben, 1949 veröffentlicht) und in Relation zum aktuellen Zeitgeschehen m.E. von enormer Bedeutung – die Darstellung dieser grundlegenden innen- und außenpolitischen Mechanismen ist so präzise wie genial, weil entlarvend, wenn auch höchstgradig beängstigend, um nicht zu sagen: doppelplusangst. – KRIEG IST FRIEDEN. FREIHEIT IST SKLAVEREI. UNWISSENHEIT IST STÄRKE.

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