Peter Rühmkorf – Auf was nur einmal ist

(Für Heinrich Maria Ledig-Rowohlt)

Manchmal fragt man sich: Ist das das Leben?
Manchmal weiß man nicht: Ist dies das Wesen?
Wenn du aufwachst, ist die Klappe zu.
Nichts eratmet, alles angelesen,
siehe, das bist du.

Und du denkst vielleicht: ich gehe unter,
bodenlos und fürchterlich -:
Einer aus dem großen Graupelhaufen,
nur um einen kleinen Flicken bunter,
siehe, das bin ich.

Aber dann, aufeinmalso, beim Schlendern,
lockert sich die Dichtung, bricht die Schale,
fliegen Funken zwischen Hut und Schuh:
Dieser ganz bestimmte Schlenker aus der Richtung,
dieser Stich ins Unnormale,
was nur einmal ist und auch nicht umzuändern:
siehe, das bist du.

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Anmerkung: Ich habe das Gedicht nach einer zugegeben oberflächlichen Suche bei Google nicht gefunden, was m.E. nur drei Dinge bedeuten kann: 1. Ich habe Google nicht verstanden oder beherrsche entweder das Suchen oder das Finden nicht. 2. Es würde gegen Urheberrechte/Copyrights verstoßen, wenn man es online veröffentlichte (was doch irgendwie leicht absurd wäre; aber sollte dies der Fall sein, und einer der Verantwortlichen meinen Akt der Begeisterung und Respekterweisung bemängeln, so werde ich das Gedicht natürlich wieder entfernen). 3. Bisher hat niemand dieses Gedicht angemessen gewürdigt.

Daher, hier! (Für die Momente der Identitätskrisen, Mittelmäßigkeitsgefühle und vernichtender Selbstkritik 😉 ) Quelle: Der große Conrady.

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