Zitat E.T.A. Hoffmann

Es gibt so viele Perspektiven, so viele Möglichkeiten, einen Gegenstand, eine Sache, eine Person, nennen wir es x, zu betrachten, zu bewerten oder einzuordnen und dabei so viele verblüffende Ansichten, die unsere eigenen Vorstellungen häufig so schelmisch und gewitzt relativieren, dass wir kurz verstummend schmunzeln müssen und uns dieses ernst-gefärbte Grinsen auch nicht wirklich aus dem Gesicht wischen wollen. Hier ist eine dieser Passagen aus E.T.A. Hoffmanns „Lebens-Ansichten des Katers Murr“:

„Ist denn das auf zwei Füßen aufrecht Einhergehen etwas so Großes, dass das Geschlecht, welches sich Mensch nennt, sich die Herrschaft über uns alle, die wir mit sicherem Gleichgewicht auf vieren daherwandeln, anmaßen darf? Aber ich weiß es, sie bilden sich was Großes ein auf etwas, was in ihrem Kopfe sitzen soll und das sie Vernunft nennen. Ich weiß mir keine rechte Vorstellung zu machen, was sie darunter verstehen, aber so viel ist gewiss, dass wenn, wie ich es aus den Reden meines Herrn und Gönners schließen darf, Vernunft nichts anderes heißt, als die Fähigkeit mit Bewusstsein zu handeln und keine dummen Streiche zu machen, ich mit keinem Menschen tausche. — Ich glaube überhaupt, dass man sich das Bewusstsein nur angewöhnt; durch das Leben und zum Leben kommt man doch, man weiß selbst nicht wie.“

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Blatt und Nadel, Emergenz und Horizonte, Poesie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.